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Neues vom Netzwerk

Mai im Netzwerk Klimajournalismus: Konferenzen, Workshops und Kritik am Kurier

Liebe Alle,

momentan geht es wild bei uns zu. Wir sind auf einigen Journalismus-Konferenzen eingeladen (Perugia, Prag und bald in Innsbruck), haben mehrere Veranstaltungen für euch – und es geht in die Finalphase des Klimakodex für eine angemessene, klare und konstruktive Klimaberichterstattung.

Unsere Sprecherin Verena Mischitz (rechts) auf einem Panel der Climate Arena Konferenz in Prag mit Theresa Leisgang (Netzwerk Klimajournalismus Deutschland) und Lorenz Matzat (Netzwerk Klimajournalismus Schweiz und Climate Arena). | Foto: Štěpán Lohr

Die Summerschool ist wieder da!

Wie vergangenes Jahr veranstalten wir im Juni 2023 in Kooperation mit dem fjum eine Summerschool für Klimajournalismus in Hallstatt. Anmeldeschluss für Stipendien ist der 12. Mai 2023.

Podiumsdiskussion zum Klimakodex

Am 23. Mai (18.30 Uhr) stellen wir den finalen Klima-Kodex auf einer Podiumsdiskussion im Presseclub Concordia vor. Diesen haben bereits einige bekannte Medien unterzeichnet. Unsere Sprecherin Verena Mischitz diskutiert mit Anita Malli (Nachhaltigkeitsbeauftragte ORF), Johannes Bruckenberger (Chefredakteur APA) und Harald Rieder (Obmann Klimaforschungsnetzwerk CCCA), warum es den Kodex braucht, wie es um den Klimajournalismus in Österreich steht und was sich in Zukunft ändern könnte.

Press Briefing: Klimakrise im Ukraine-Krieg

Am 24. Mai (18.00 Uhr, via Zoom) spricht die russische Journalistin Angelina Davydova über die Klimakrise im Krieg: Gibt es überhaupt noch Klimapolitik in Russland/ der Ukraine? Wie sehr beeinflusst Krieg das Klima? Und auf was kann man als Journalist:in im Rest von Europa achten, wenn man über das Klima in Kriegsgebieten berichten will?

Was Davydova vor 9 Monaten über Russland und das Klima gesagt hat, könnt ihr in einem Webinar des Presseclub Concordia hier nachschauen.

Top/Flop des Monats – Klimaberichterstattung, die aufgefallen ist

TOP

  • Podcast und Theaterstück über das schmutzige Geschäft der OMV

Regisseur Calle Fuhr bringt die fragwürdigen Vorgänge der OMV rund um Bespitzelung von Klimaaktivist:innen, Greenwashing beim Opernball, SLAPP-Klagen gegen das Investigativmedium Dossier, Überwachung der eigenen Mitarbeitenden und den Deal für die Chemie-Tochter Borealis auf die Bühne der Volkstheater in Wien. Grundlage sind die Recherchen des investigativen Magazins Dossier. Das Stück über “Macht, Korruption und die Kraft des investigativen Journalismus” ist vom 28. April bis 06. Juni auf Bezirke-Tournee mit Gerti Drassl, Muralie Perumal, Christoph Schüchner und Magdalena Simmel zu sehen. Für die Premiere gab es minutenlang Standing Ovations – und das zurecht, wie wir finden. Die Machenschaften des größten börsennotierten Industriekonzern Österreichs werden auch in mehreren Folgen des Podcasts “Kein Kommentar” aufgearbeitet.

FLOP

  • Presserat rügt Kurier für Kommentar über Letzte Generation

Die Tageszeitung KURIER veröffentlichte am 17.02.2023 den Kommentar “Regeln”, in dem sich der Autor mit den Störaktionen der Letzten Generation und den damit zusammenhängenden Polizeieinsätzen auseinandersetzt. Darin belächelt der Autor die Klimaaktivist*innen, indem er schreibt, “[d]ie lustigen Klimakleber” seien bitter enttäuscht, von Polizeikräften so brutal von der Straße gezerrt worden zu sein. In seinem Beitrag führt der Autor an, dass die einzig geltende Regel die der Versammlungsfreiheit und das Demonstrationsrecht sei, und „dass Klimakleber mit Lösungsmittel von der Straße gestreichelt werden müssen, ist nirgendwo niedergeschrieben.” Das sei ein Entgegenkommen der Polizei (und der Geduld der Autofahrer).

Ein Leser wandte sich wegen letzteren Zitates an den Österreichischen Presserat und kritisierte, dass diese Formulierung des Autors implizit zu Gewalt gegen die Demonstrant:innen aufrufe. Zwar wird der Presserat kein Verfahren einleiten, da es sich hierbei um einen Kommentar handelt – in einem Offenen Brief an Chefredakteurin Martina Salomon weist man aber darauf hin, dass eine “zurückhaltende Formulierung” wünschenswert gewesen wäre.

Wie es auch anders geht, ohne Polemik und ohne dass Gewalt subtil gutgeheißen wird, zeigt DATUM-Herausgeber Sebastian Loudon in seinem Leitartikel “Bitte stören!”: “Die Klimaproteste der Letzten Generation erzeugen ärger und Unverständnis. Warum wir gerade deshalb auf sie und ihre Botschaften achten sollten, lehrt uns die Sozialpsychologie”, leitet Loudon in den Text ein.

Und sonst so? – Aktuelle Fakten, Events und Initiativen

TERMINE:

  • Am 11. Mai (18.30-20.00 Uhr) diskutiert Netzwerk-Mitgründerin Katharina Kropshofer im Presseclub Concordia mit APA-Chefredakteur Johannes Bruckenberger, Günther Mayr (ORF), Wissenschaftsjournalistin Eva Stanzl über einen konstruktiven Umgang mit der Klimakrise. Es moderiert DATUM-Herausgeber Sebastian Loudon. Anmeldung erforderlich.
  • Am 16. Mai findet der 7. Austrian World Summit unter dem Motto “We have the power!” statt.
  • Am 31. Mai (10.00-11.30 Uhr) veranstaltet klimaaktiv ein Webinar zur Bebilderung der Klimakrise mit Stefanie Walter von der TU München.
  • Am 13. Mai sprechen gleich zwei Netzwerk-Mitglieder auf dem Journalismusfest in Innsbruck: Verena Mischitz diskutiert um 15.00 Uhr mit Yvona Asbäck (Netzwerk Biodiversität & Österreichischer Biodiversitätsrat) und Martin Persiel (Regisseur, u.a. von „Everything Will Change“) über “​​Das sechste Massensterben und niemand schaut hin. Biodiversität und Artensterben”. Katharina Kropshofer darauffolgend um 19.00 Uhr mit Johannes Bruckenberger (APA), Barbara Junge (taz) und Esther Mitterstieler (ORF Tirol) über “Klimajournalismus: Sind wir gut genug?”
  • Weitere Termine aus der Klimapolitik und dem Energiesektor findet ihr bei CLEW; weitere Klimaveranstaltungen aus Österreich beim CCCA.

RESSOURCEN:

KONSTRUKTIVER KLIMAJOURNALISMUS:

  • Auf ARTE läuft gerade die konstruktive Dokureihe “Gute Nachrichten vom Planeten”, in der Klima-Projekte aus aller Welt vorgestellt werden. Die nächsten 5 Folgen sind bereits in Planung.
  • Wie es um das Grundwasser in Österreich steht (Spoiler: schlecht), und wie man einen Brunnen bohrt, hat sich Christof Mackinger für tag eins angeschaut.
  • Wie die Berichterstattung für unser Steinzeitgehirn konstruktiver werden könnte, erklärt Neurowissenschaftlerin Maren Urner im Standard-Interview.

SCHON GESEHEN?

  • Was sind meine persönlichen größten Hebel im Klimaschutz? Antworten darauf gibt das Projekt “ClimateConnections” von Sara Schurmann, die das Netzwerk Klimajournalismus Deutschland mitgegründet hat.
  • Über die Relevanz von physikalischen und sozialen Kipppunkte diskutieren Katharina Rogenhofer, Initiatorin des Klimavolksbegehrens, und Klimaforscher Douglas Maraun in der Ö1 Science Arena.
  • Eine Metastudie zeigt, dass psychologische Distanz zur Klimakrise ein Mythos ist. Viele fühlen sich bereits jetzt betroffen. Aufzuzeigen, wie man effektiv handeln kann, führe eher ins Handeln, sagt Neurowissenschaftler Kris de Meyer gegenüber Grist.

JOBS, STIPENDIEN UND PREISE:

Bis bald!

Mona, Naz, Kathi und Lukas


Zahl des Monats: 20 Jahre

Laut einer Analyse des Umweltbundesamts könnte es noch bis ins Jahr 2050 dauern, ehe Österreich seine  EU-Klimaziele erreicht hat – 20 Jahre länger als eigentlich vorgeschrieben. Eine fatale Prognose, die aber auch differenziert zu betrachten ist. Denn: Die Analyse ist eine Bestandsaufnahme der Klimamaßnahmen und Gesetze zum Zeitpunkt 2021. Einige relevante Entwicklungen (wie etwa die CO₂-Bepreisung, das Förderprogramm zum klimafreundlichen Umbau der Industrie, die Novelle des UVP-Gesetzes oder das Erneuerbaren Ausbaugesetz), die seither beschlossen wurden, werden daher nicht berücksichtigt. In seinem Text “EU-Klimaziele: Ist Österreich doch kein hoffnungsloser Fall?” in Die Presse geht Mathias Auer genauer darauf ein.

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