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Neues vom Netzwerk

Juli: Stammtisch mit Özden Terli und Marcus Wadsak; Press Briefing zu Klima- und Ernährungskrise

Unser nächstes Treffen: Stammtisch mit Sara Schurmann

Mitte September ist Sara Schurmann, Mitgründerin des Netzwerk Klimajournalismus Deutschland, in Wien zu Gast. Voraussichtlich abends am 14. September. Wir informieren euch zeitnah und freuen uns auf möglichst viele von euch!

Press Briefing: Ernährungs- und Klimakrise

Wie stark wirkt sich die Klimakrise auf Dürren und diese wiederum auf die Ernährungssicherheit aus? Welche Unterschiede gibt es in verschiedenen Weltregionen? Und welchen Einfluss hat der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die dortige Landwirtschaft? Darüber informierten Anfang Juli im Rahmen der  Klimajournalismus-Akademie des fjum und Netzwerk Klimajournalismus Thomas Waitz, Biobauer und EU Abgeordneter, und Robert Hafner, der an der Universität Innsbruck zu Alternativen der Lebensmittelproduktion und des -konsums im globalen Süden forscht. Die Aufzeichnung kann hier nachgeschaut werden.

Die Kernpunkte:

  • Der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, wie fragil die Nahrungsmittelversorgung in Europa ist, sowie, dass “Lebensmittel als Kriegswaffe verwendet” werden, erklärt Thomas Waitz. Zudem habe man sich den letzten Jahren auch in der Landwirtschaft vom russischen Gas abhängig gemacht (z. B. braucht viel Dünger Gas zur Herstellung).
  • Waitz betont, dass es westlich kostspieliger ist, nichts gegen die Klimakrise zu machen, im Vergleich dazu, was es kosten würde, sie zu verhindern. Hafner unterstreicht hier die eurozentristische Sichtweise: “Wer sagt, dass die EU-Strategien überhaupt im globalen Süden funktionieren?”
  • Gleichzeitig gäbe es in Bezug auf den globalen Süden einen asymmetrischen Dialog. “Warum heißt es nicht, dass wir bei der Anpassung vom globalen Süden  lernen können?”, fragt Hafner. Waitz nennt hier als Beispiel die Agroforst, also das Anlegen von Landwirtschaftsflächen zwischen Bäumen.
  • Ohne Anpassungsmaßnahmen sei mittel- und langfristig  die Versorgungssicherheit in Europa gefährdet. Hafner pocht hier aber auch auf Klimagerechtigkeit: “Es bringt nichts, klimafitte Pflanzen zu verwenden, wenn das negative Effekte für die lokale Bevölkerung schafft.”

Stammtisch: Extremwetter-Berichterstattung

Wie berichtet man richtig über Klimakrise und (Extrem-)Wetter? Wie stellt man den Zusammenhang her? Und was sollte man eher vermeiden? Darüber sprachen bei unserem Stammtisch Mitte Juli die Meteorologen und Moderatoren Marcus Wadsak (ORF) und Özden Terli (ZDF). Die Aufzeichnung kann hier nachgeschaut werden.

Die Kernpunkte:

  • “Wir haben noch nicht den richtigen Weg in der Kommunikation gefunden”, sagt Marcus Wadsak. Es gebe zwar gute Beispiele, noch immer aber zu viele Badebilder bei gefährlichen Hitzewellen, die diese so verharmlosen. Die Klimakrise gehöre viel öfter auf die Titelseiten.
  • Auch Özden Terli stimmt dem zu. Man müsse die Gefahren besser aufzeigen. “Wir haben uns von der Gesellschaft so sehr vom Wetter entfernt, dass wir es nur noch als Grill- oder Badewetter wahrnehmen”, sagt Terli. Und Wadsak ergänzt: Wir haben kein Gefühl mehr dafür, was “normal” ist. “Wir Meteorolog:innen nennen es Rekorde, und trotzdem sagen manche: Das habe es früher schon gegegeben.”
  • Diese Menschen dürfe man aber nicht ignorieren, so Wadsak weiter. Man müsse die Argumente der Verharmloser und Leugner im Vorhinein widerlegen.
  • Wetter- und Klimaberichterstattung müssen jedenfalls ressortübergreifend geschehen. “Unsere Wetter-Redaktion ist klein. Wir brauchen Redakteur:innen aus allen Bereichen”, so Wadsak.
  • Beide sehen den konstruktiven Journalismus gefordert. “Es braucht klare Ansagen, was wir verändern müssen. Zusätzlich müssen wir Vorteile von Klimaschutz klipp und klar kommunizieren”, sagt Wadsak.

Top/Flop des Monats – Klimaberichterstattung, die aufgefallen ist

TOP

  • Hitzeanpassung in der Stadt

Stadtklimatologe Simon Tschannett erklärt am Sonntagabend in der ZiB2 in einem 8-minütigen Interview ruhig, aber deutlich, wie sich Städte und Gemeinden auf Hitzewellen vorbereiten können. Das Interview fand vor allem auf Twitter (hier, hier oder hier) viel Lob und Beachtung. Besonders spannend: Kaltluftschneisen, die für kühlere Stadtluft sorgen können. Mehr Infos u.a. dazu liefert das CCCA.

FLOP

  • “Ecobordering” im eXXpress

Guter Klimajournalismus gibt Diskriminierung keinen Platz. Er sollte intersektional denken und auch soziale Fragen miteinbeziehen. Ein Negativbeispiel liefert das Boulevard-Medium eXXpress. Denn die Frage, warum es beim Klimarat verhältnismäßig wenig Menschen mit Migrationsbiografie gegeben habe, beantwortet man dort folgendermaßen: “Es scheint so, als würden sich Johann und Maria mehr für den Klimaschutz interessieren als Ahmed und Aleyna…”. 

Migrationsforscherin Judith Kohlenberger kritisiert auf Twitter: “War leider nur eine Frage der Zeit: Der ”Ecobordering“-Diskurs wonach Migration bzw. Migrant:innen Klimaschutzbemühungen durch hohe Geburtenraten oder fehlendes Klimabewusstsein untergraben würden, ist in Österreich angekommen.”

  • BBC-Meteorolog:innen für Hitzewelle-Berichterstattung beschimpft

“Unser Team erhielt hunderte von beleidigenden Tweets und E-Mails, in denen ihre Berichte in Frage gestellt wurden, während die Temperaturen auf 40 Grad stiegen”, berichtete die BBC Ende Juli. Der Grund: Die Meteorolog:innen verknüpften die Hitzewelle folgerichtig mit der Klimakrise – sie sei dadurch zehnmal wahrscheinlicher geworden. Eine deutschsprachige Fassung kann im Standard nachgelesen werden.

Und sonst so? – Aktuelle Fakten, Events und Initiativen

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JOBS, STIPENDIEN UND PREISE:

AUS DEM NETZWERK:

  • Die Klimajournalismus Summerschool gemeinsam mit dem Forum für Journalismus und Medien Wien (fjum) ist zu Ende. Vielen Dank an die tollen Teilnehmer:innen! Einen ersten Beitrag, der dort entstanden ist, findet ihr hier. More to come.

Kommt gut durch den Sommer

Euer Netzwerk


Zahl des Monats: 251.478

So viele “Gefällt mir” und 36.787 Retweets fand ein Vorschlag von Manuel Grebenjak auf Twitter (Stand 03. August): “We should start naming heat waves after fossil fuel companies.” Ähnliches wird übrigens bereits im spanischen Sevilla gemacht. Allerdings heißen die Hitzewellen dort Zoe, Yago, Xenia, Wenceslao und Vega. Mit der Benennung soll wie bei Hurrikans für mehr Bewusstsein gesorgt werden.